The Sandman

Surrealer Horror ist toll

The Sandman Titel

Diesmal dreht sich alles um den Schlaf. The Sandman ist nicht etwa eine Maker-Umsetzung der Erzählung E. T. A Hoffmanns, sondern vielmehr ein Spiel aus dem japanischen Raum, dass von der mittlerweile recht bekannten Game Designerin Uri erstellt wurde die bereits Werke wie „The Crooked Man“ oder „Insanity“ veröffentlichte. Zwar bin ich mit der Erwartung ein Horror-Spiel zu spielen an das Spiel herangegangen, jedoch gestaltet sich eine Genre-Zuordnung als recht schwer, dazu jedoch später mehr.
The Sandman dreht sich um den Charakter Sophie Grundler, ein Schulmädchen, dass eine katholische Schule besucht, jedoch seit Tagen keinen Schlaf findet. Nachdem dies der Schulleiterin auffällt, wird sie zu einem Gespräch eingeladen, jedoch ist Sophie nicht besonders religiös und hat zudem noch Mobbing-Probleme an ihrer Schule, sowie Freunde, die lieber wegsehen, als einzugreifen.

Niedergeschlagen begibt sie sich zu Bett, als sie jedoch mitten in der Nacht aufwacht – verwundert über die plötzliche Stille, die eingekehrt ist – stellt sie fest, dass alle Uhren stehengeblieben sind. Alsbald muss sie die Erfahrung machen, dass alle Leute auf der Welt in tiefen Schlaf verfallen sind, sie selbst davon jedoch nicht betroffen. ist. Damit einher beginnt die Suche nach Anhaltspunkten: Warum sind alle eingeschlafen? Gibt es Leute, die wie Sophie unbetroffen sind und wer oder was ist dafür verantwortlich? Storymäßig baut The Sandman einen guten Spannungsbogen auf, allerdings braucht die Geschichte sehr viel Zeit bis sie in Fahrt kommt. Dafür wird man jedoch mit einem tiefgründigen und nahezu unvorhersehbaren Plot überrascht, der trotz des recht generischen Einstiegs alles andere als klischeehaft ist. Zudem gibt es 4 verschiedene Enden, was wiederrum einen gewissen Wiederspielwert aufbaut, der jedoch durch das recht statische Gameplay aufgehalten wird, womit ich zum größten Kritikpunkt komme: Das Gameplay.
The Sandman bietet klassische Adventure-Elemente, spielt sich aber größtenteils sehr zäh. Nicht nur, dass man meist sehr viele Laufwege mit viel Backtracking in Kauf nehmen muss, es gibt auch kaum Hinweise auf Rätsel. An sich wären das nur kleinere Kritikpunkte, jedoch sind die meisten Rätsel auch noch sehr schwer, so dass selbst erfahrene Spieler hin und wieder einen Blick auf die Komplettlösung werfen müssen. Immerhin fügen sich die Rätsel sehr gut in die Spielwelt ein und machen Sinn, was nicht selbstverständlich ist und es gibt auch spielerische Highlights. Am Meisten hat mir hierbei die an Metal Gear Solid angelehnte Schleichaction im Pappkarton gefallen. Ich meine, was gibt es tolleres als zwei Schulmädchen die sich eigentlich nicht ausstehen können und in einem Kaufhaus vor schießwütigen Soldaten in Snake Manier fliehen müssen? Solche skurilen Szenen tauchen immer wieder auf und verleihen dem Spiel einen ganz eigenen Charakter. Und das ist das passende Stichwort für die große Stärke des Spiels. Die Charaktere sind großartig und entfalten sich im Laufe der Zeit immer mehr. Das ist hauptsächlich den zahlreichen Rückblenden geschuldet, die jede Person noch einmal im Detail beleuchten. Jeder Charakter fühlt sich anders an und hat eine wichtige Rolle, so dass man sie im Spiel nicht vergisst. Die gewollte Leere der Welt hat zudem den Vorteil, dass jeder Charakter wichtig erscheint und auch Antagonisten wie der Sandmann selbst überzeugen durch ihre eigene kleinen Ticks.

Grafisch ist das Spiel eher guter Standard. Die Maps sind ordentlich gefüllt und das gesamte Spiel in Mack & Blue Style gehalten. Besondere Spielereien wie z. B. Lightmaps oder großartige Animationen wurden nicht eingebaut. Dafür gibt es jedoch einige sehr hübsche Zeichnungen die auch passend eingesetzt werden und stellenweise animiert sind. Diese kommen meist bei sehr wichtigen Szenen zum Einsatz und zählen zu den Highlights des Spiels.

Wie ich bereits anmerkte, ist eine Genre-Zuordnung schwierig. Horror-Elemente finden ausschließlich dadurch Einzug, dass ein lautes Geräusch recht plötzlich abgespielt wird. Musikalische Untermalung, die den Spieler bereits vorab in eine gewisse Stimmlage versetzt ist kaum zu finden, stattdessen wird man auf den meisten Maps mit einem simplen 5 Sekunden BGS-Loop unterhalten, der nach wenigen Minuten bereits nervt. Dabei beweisen Spiele wie To The Moon, dass man sehr gut Emotionen durch Musik aufbauen kann, während Spiele wie Taut zwar diesbezüglich zurückhaltend sind, jedoch durch eine dichte Soundkulisse ebenso eine grandiose Atmosphäre aufbauen. Positiv anzumerken ist jedoch das sparsam verwendete, dafür aber sehr gute Voice-Acting an einigen Stellen des Spiels.

Was kann man abschließend also zu „The Sandman“ sagen? Wer tiefgründige und schwierige Adventures mag wird sich sofort willkommen fühlen und insbesondere die Charaktere sind etwas, bei dem sich viele Entwickler noch eine Scheibe abschneiden können. Mit etwa 3-4 Stunden Spielzeit ist es ein kurzes Spiel, dass jedoch viel Spaß macht. Einzig das recht lineare Gameplay und die mäßige musikalische Untermalung sorgen dafür, dass das Gesamtbild ein wenig leidet. Gespielt wurde die gewohnt gute englische Übersetzung von VGPerson. „The Sandman“ wurde übrigens nicht mit dem RPG-Maker, sondern mit dem freien Wolf RPG Editor erstellt.

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