A Bird Story

Phantasie und Verantwortung

A Bird Story Titel

Können Rollenspiele ganz ohne Dialoge auskommen und dabei noch gut sein? Diese Frage werden sich viele Spieler sicherlich spätestens seit der gestrigen Release des Titels „A Bird Story“ gedacht haben. A Bird Story ist von Kan Gao entwickelt worden, dem Kopf hinter „To the Moon“ das seinerzeit für Schlagzeilen sorgte und bis heute zu den bekanntesten RPG-Maker Spielen zählt.
In A Bird Story spielt man einen ganz gewöhnlichen Jungen der zur Schule geht und das macht, was Kinder typischerweise so machen. Hierbei fällt relativ früh auf, dass der junge Schüler sehr phantasiebegabt ist und davon träumt, eines Tages zu fliegen. Immer wieder baut er Papierflieger und zeichnet seinen Traum auf. In den spielbaren Passagen findet oftmals eine starke Vermischung von realen Ereignissen und der Phantasie des Protagonisten statt, so dass viele Szenen sehr schnell merkwürdig erscheinen und viele Fragen aufkommen lassen. Bei der Spielbarkeit lässt sich allerdings ein meiner Meinung nach großes Problem feststellen und dies lässt sich weniger auf die Technik schieben. Im Prinzip ist es schwierig, „A Bird Story“ überhaupt als Spiel zu klassizifizieren, so gibt es zwar Interaktion, diese lässt im Laufe des Spiels jedoch stark nach und ist bereits von Anfang an kaum vorhanden, so dass man eher das Gefühl hat, einen Kurzfilm zu sehen.

Es gibt Passagen, in denen man 20 Minuten als Spieler nichts tun muss und das wohlgemerkt bei einer Gesamtspielzeit von ca. 1 Stunde. Vermutlich ist dies aber eher die Intention des Autors, nämlich eine kurze, mitreißende Geschichte erzählen, die ohne Dialog auskommt. Und tatsächlich – Die Handlung des Spiels lässt sich stets gut nachvollziehen und man kann sich gut in den Protagonisten hineinfühlen, obwohl man dessen wahre Gedanken aufgrund fehlenden Textes nicht kennt. Wie das realisiert wurde? Im Gegensatz zu To The Moon, wo Animationen eher rar gesät waren, wurde nun nahezu jede Aktion des Protagonisten liebevoll animiert und dessen Gesicht gibt ebenso Aufschluss über sein Wohlbefinden oder andere Gedanken. Hierbei wurde sich sehr viel Mühe gegeben das typische Verhalten eines Kindes darzustellen. Ständig wird der Neugier freien Lauf gelassen und es wird gespielt oder geträumt.
Der eigentliche Plot dreht sich jedoch um einen Vogel, den der Junge eines Tages auf seinen Nachhauseweg findet und beschützt. Er nimmt ihn also mit um ihn zu versorgen und zu pflegen. Dabei merkt man im Laufe des Spiels wie der Protagonist zunehmend Verantwortungsbewusstsein lernt, doch er kann sich auch nicht von dem kleinen Federvieh trennen. So wird z. B. ein Arzt aufgesucht, vor dem das kleine Kind immer auf der Flucht ist, da dieser den Vogel entreißen möchte. Ein gewisser Spannungsbogen ist im Spiel dabei zwar vorhanden, allerdings missfällt mir dessen Verlauf. So ist die Spannung gerade zu Beginn des Spiels recht groß, flacht dann aber immer stärker ab, was wie schon erwähnt hauptsächlich durch die mangelnde Interaktion zu begründen ist. Dementsprechend fällt das Gameplay recht dünn aus. Wie auch schon im letzen Spiel des Autoren wurde der Soundtrack wieder selbst komponiert und ist eine der klaren Stärken des Spiels. So werden sämtliche Szenen durch die Musik wunderbar untermalt und unterstreichen die Gefühle, die vermittelt werden sollen perfekt. Auch die Hintergrundgeräusche tragen zur Gesamtatmosphäre tadellos bei und erschaffen damit zusammen mit den schön gestalteten Maps sehr denkwürdige Sequenzen.

Wer mit der Erwartung an das Spiel herangeht, ein ebenbürtiges Spiel zu „To The Moon“ spielen zu können, sollte allerdings direkt vorsichtig sein und seine Erwartungen etwas zurückschrauben. Zwar ist A Bird Story sicherlich kein schlechtes Spiel, es bleibt vergleichsweise aber dennoch recht dünn, zudem wohl eine ganz andere Intention hinter dem Spiel steckt. Es ist weniger massenkompatibel als „To The Moon“. Wer jedoch eine völlig neue Spielerfahrung sammeln möchte, kann bedingungslos zugreifen.

Der Preis ist allerdings gemessen an 1 Stunde Spielzeit selbst bei 5€ ein wenig grenzwertig. Der grandiose Soundtrack gehört allerdings mit dazu und entschädigt für das kurzweilige Vergnügen recht gut. Schlussendlich sollte man auch bedenken, dass der Protagonist dieses Titels der Patient im nächsten „To The Moon“ Ableger sein soll, so ist es recht wahrscheinlich, dass der Bezug zu diesem Spiel im nächsten Titel von Kan Gao noch sehr wichtig sein wird. Das Spiel ist übrigens direkt multilingual und kann in 11 Sprachen gespielt werden.

Das könnte dich auch interessieren

  • Alter Aila GenesisAlter Aila Genesis In Alter Aila Genesis spielt man den jungen Mann Leon, der ohne Erinnerungen an seine Vergangenheit im Stynx aufwacht - Einem […]
  • Bravely DefaultBravely Default Vertreter klassischer J-RPG's sind in der westlichen Welt noch immer eine Seltenheit wenn man den Vergleich zu anderen Genres […]
  • LiEatLiEat Auch diesmal gibt es wieder ein Spiel aus dem japanischen Raum. LiEat von Miwasiba ist ein Kurzspiel das mit dem Wolf RPG Editor […]
  • Übersetzungen organisierenÜbersetzungen organisieren In den Weiten des Internets haben sich bereits zu einer relativ frühen Zeit begeisterte Fans allerlei Werke gefunden, die sich […]

Ich brauche deinen Kommentar!